1853 wurde die Eisenbahn- und Allgemeine Rück-Versicherungs-Gesellschaft Thuringia in Erfurt gegründet. Dies erfolgte per Erlass am 19. Juni 1853 durch die preußische Regierung. Diese Versicherung kam auf Betreiben des Erfurters Karl Friedrich Wehle, Bürovorsteher der Thüringschen Eisenbahn-Gesellschaft, zustande. Diese Gründung war eine Besondere. Die Thuringia gilt als erster Unfallversicherer in Deutschland und als das erste deutsche Versicherungsunternehmen, welches mehrere Soarten anbot. Die Versicherung kaufte 1879 ein Grundstück von 9.000 Quadratmetern, um dort ein würdiges Geschäftsgebäude zu errichteen. Die Baukosten einschließlich des Grunderwerbs beliefen sich auf 675.263 Mark.
Im Jahr 1883 erfolgte der Einzug in das neue Geschäftshaus. Ab 1924 gehörte die Thuringia zur Aachener und Münchener Feuerversicherungsgesellschaft. 1942 zählte man 16 Banken in Erfurt. Außerdem war das Versicherungsgewerbe ausgeprägt. Es beschäftigte um die 2.000 Personen, davon allein 300 in der Thuringia. Nach dem Einmarsch der Roten Armee imJahr 1945 erfolgte die Schließung und die Enteignung der Versicherung. Die Thuringia verlegte ihren Sitz in die englische Besatzungszone nach Hannovers-Münden und schließlich nach München. Heute besteht die Thuringia-Versicherung nicht mehr.
Doch zurück zum Gebäude der Thuringia, das jetzt als Denkmal gilt. Es wurde in der DDR-Zeit als Bezirksdirektion der Volkspolizei und nach der Wende als Sitz des Thüringer Innenministeriums genutzt. In den 90er Jahren war vieles im Umbruch, die neuen Behörden des Landes und der Stadt, suchten immer wieder geeignete Räumlichkeiten, bauten neu und zogen dann wieder um. Schließlich stand der große Thuringia-Bau leer. Das Ensemble wurde in den letzten Jahren umfassend saniert und neuen Nutzungen zugeführt. Straßenseiten entstanden Gewerbeeinheiten und im Innenhof hochwertige Eigentumswohnungen. Der zu DDR-Zeiten angefügte Plattenbau wurde teilweise zurück gebaut. Damit konnte die denkmalgeschützte Fassade am Altbau wieder freigelegt und zu ihrer ursprüngichen Erscheinung zurückgeführt werden. Onzwischen präsentiert sich der Bau als kleines Palais.
Wer Zeit hat, sollte sich die versteckten baulichen Rafinessen einmal genauer ansehen. Denn zwischen den roten Klinkersteinen gilt es allerhand zu entdecken: die filigrane Wandgliederung aus Sandstein, ein laufender Hund (ein wellenförmiger Fries) und ein antikisierendes Relief. Zu sehen sind Greife, Palmetten und Vasen. Man entdeckt korinthische Säulen ebenso wie allegorische Figuren in flachen Muschelnischen. Von der originalen Innenausstattung ist vor allem der aufwendige Haupteingangsbereich mit seinem steilen Treppenaufgang erhalten geblieben wie die Treppenhäuser mit geschmiedeten Geländern.
Das Thuringia-Gebäude steht am Erfurter Kaffeetrichter (Schillerstr. 27). Es kann von innen im Rahmen von Kundenkontakten mit den neuen Besitzern besichtigt werden. Dazu gehören die Geschäftsstelle der Johanniter, eine Tanzschule, eine Musikschule und eine Kanzlei.



